Die Affäre Bucheli April 2015

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Ich kann die Empörung der Bürgler Kirchgemeindemitglieder über die Tatsache, dass zwei Menschen aus ihrem Kreis nur darum in ihrer Beziehung nicht gesegnet werden, weil sie einem Prinzip des hierarchischen Kirchenapparates nicht entsprechen, nachvollziehen.

Nach all dem Rummel und laut den Presseberichten erweist sich jedoch diese Empörung nicht als Solidarisierung mit dem lesbischen Paar, sondern als untergründiger Protest gegen die Störung des „ordentlichen“ Ablaufs der Dinge. Man will nicht, dass der Bischof seine reale Macht in diesem System offenlegt und damit die Verhältnisse transparent macht. Die Realität ist: Die Kirchgemeinde Bürglen ist nur zum Schein eine demokratische Einrichtung – die spezielle kirchenrechtliche Situation der Katholiken in der Schweiz nährt diese Illusion -, zu den Fragen der Kirchenprinzipien hat sie nichts, gar nichts zu sagen.

Der Pfarrer ist dem Bischof zu Gehorsam verpflichtet. Als „Hirte der gläubigen Herde“ soll er möglichst so tun, als ob alles schön unter ei- nander regulierbar wäre. Diese Aufgabe hat Herr Bucheli bisher optimal erfüllt; wären Bischof Huonder und sein Hofstaat nicht so radikal fundamentalistisch und konservativ, hätten sie ihn weiterwursteln lassen und die „Schäfchen“ wären mit ihrem „Hirten“ sehr zufrieden und mit „ihrer Kirche“ im Einklang.

Diese Scheinharmonie jedoch ist Bischof Huonder ein Dorn im Auge; er will alle Unklarheiten beseitigen und die Verhältnisse in seinem Bistum wieder klar hierarchisch (römisch, katholisch) regeln.

Diese konsequente Haltung ist meiner Meinung nach zu akzeptieren, denn sie ermöglicht allen in dieser Gemeinschaft, einen Entscheid für oder gegen die eigene Zugehörigkeit zum System zu treffen. Dieser Mann ist ein angemessener und typischer Vertreter jenes uralten Kolosses, der es fertig gebracht hat, über 2000 Jahre zu existieren. Die Opfer dieses „Erfolges“ schreien zum Himmel, der mit Sicherheit nicht „katholisch“ ist!!

Wenn nun die Struktur und die Wertehierarchie dieser Institution transparent sind, kann sie kritisch beurteilt werden, ob sie z.B. für alle suchenden Menschen eine Heimat sein kann. Und da wird sichtbar, dass sie das aufgrund ihrer Gesetze keinesfalls ist, denn sie schliesst z.B. Homosexuelle oder zweimal Verheiratete konsequent aus. In diesem Sinne wäre es mir wohler, wenn in den Medien über diese Wahrheit sachlich, eindringlich und nachhaltig informiert würde. Nicht das Vordergrundgeplänkel zwischen Bischof-Pfarrer und Gemeinde ist das Problem, sondern die kollektive Akzeptanz einer solch exklusiven Gemeinschaft durch unsere gesamte Gesellschaft.

Karl Aschwanden

Und hier noch der youTube-Beitrag zur Affäre: https://youtu.be/-jFmK5_G6G4

Und er darf bleiben, weil er sich unterordnet: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Wendelin-Bucheli-darf-Pfarrer-bleiben/story/12707429

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